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Andacht
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Ich lasse den Sonntag auf der Mulde hinter unserem Haus ausklingen. Das darf ich glücklicherweise, denn das Kanu gehört mir und ich setze es direkt vom Ufer ins Wasser ein. (Mit Mietboot und über einen Bootssteg eingesetzt wäre es über eine Sportanlage und damit verboten.) Da ich nicht erst großen Aufwand mit Autorückholung betreiben will, beschränke ich mich auf einen etwa 1km langen Abschnitt zwischen der Striegismündung und dem nächsten Muldenwehr. So komme ich auch gut wieder flussaufwärts. Ich hänge in der Abendsonne meinen Gedanken nach.

Dieser Sonntag wäre auch in „Normalzeiten“ nicht anders verlaufen. Am Morgen war Gottesdienst mit 14 Besuchern – das ist etwa der „Schnitt“ in unserer Dorfkirche. Schön, so „altmodisch“ Gottesdienst erleben zu können. Sonntagsessen, Kaffee im Garten, eine große Runde über die Felder drehen und dabei den Frühling genießen.

Bei meiner vierten Paddelrunde fällt mein Blick auf das mir wohlbekannte Wehr-Warnschild. Meine Gedanken schlagen eine neue Richtung ein. Gern würde ich über Himmelfahrt wieder auf Rüstzeit mit dem Kanu unterwegs sein. Mit acht Vater-Tochter-Paaren ist die Rüstzeit seit Wochen voll. Einige haben schon nachgefragt: „Weißt du, ob aus der Rüstzeit was wird?“

Müßig, darüber nachzudenken, denn die Entscheidung liegt nicht bei mir. Aber ich weiß, wenn es sein darf, mit dem Schild umzugehen. Das heißt nämlich nicht „hier geht es nicht weiter“ weil Lebensgefahr besteht, sondern ich muss besonnen handeln. D.h. in genügend großem Abstand zum Überfluss das Boot aus dem Oberwasser hieven, um das Wehr tragen und mit gebührendem Abstand zur Wasserwalze das Boot wieder ins Unterwasser einsetzen. Dann kann die Tour getrost fortgesetzt werden.

Ein gutes Bild für die Situation in unserem Land.

Im Klartext heißt das: Tragen und Ertragen, damit es weitergeht! Dazu passt prima 1.Thessalonicher 5:

Wir ermahnen euch aber, liebe Brüder: Weist die Unordentlichen zurecht, tröstet die Kleinmütigen, tragt die Schwachen, seid geduldig gegen jedermann.

Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch.

Das ist ein ganzer Katalog an Ermahnungen, der da abzuarbeiten ist. Er gilt direkt uns Männern (Brüder). Männer, die grade in Kurzarbeit stehen, sollen ihre Strukturen nicht vernachlässigen, denn wie schnell wird „Schlamprian“ daraus (habt ein Auge auf sie), manch einer bedarf des Trostes (wo der Hase im Pfeffer liegt, erfährt man aus ihren Gesprächsinhalten), andere sind völlig kraftlos geworden, dass sie ohne fremde Hilfe gar nicht mehr auf die Beine kommen. Um über diesen Aufgaben den Mut und die im Text geforderte Geduld nicht zu verlieren, gibt der 2.Vers eine gute Leitlinie.

Fröhlich
: Der Grund unserer Gewissheit; Christ ist erstanden. Halleluja!

Beten
: Lasst den Kontakt in keiner Lebenslage zu Jesus abbrechen.

Dankbar
: Resümiere jeden Tag, was du an Gutem und glücklichen Momenten erlebt hast. Lasst uns so gemeinsam den Willen Gottes tun (das Ende des Verses).

Corona ist nicht die erste Geduldsprobe, die uns den ungehinderten Lebensfluss verwehrt und wird auch nicht die letzte sein. So hoffe ich, dass wir in den nächsten Tagen unseren Beitrag als Christen zum „Umschiffen“ dieser Lebensgefahr beisteuern, ansonsten bewegen wir uns so, wie ich mit dem Kanu - letztlich immer nur im Kreis.

Frisch ans Werk!
herzlichst Hartmut