>> Impressum >> Datenschutz

 
Andacht
<< Themenübersicht


Alle wollen alt werden, aber keiner will alt sein. Die Gesellschaft weiß auch nicht so recht mit den Alten umzugehen. Die Krankenkassen lieben die Senioren nicht, dafür aber die Pharmaindustrie. Die Schwierigkeit und Unsicherheit im Umgang mit Alten macht sich sogar im Sprachgebrauch bemerkbar. Rentner und Senioren zu sagen, ist heutzutage schon eine Beleidigung. Man redet daher vornehm von älteren Menschen – obwohl nach dem eigentlichen Wortsinn ja Ältere noch älter als Alte sind! Schmerzhaft ist das Alter vor allem deshalb, weil es unsere Vergänglichkeit offenbart.

Beim Skat ist „der Alte“ im Gegensatz dazu eine Bank! Ob als Allein- oder Mitspieler, der „Alte“ passt immer. Selbst bei Nullspielen sagt eine Redewendung: Sieben, acht, Unter, da geht keiner drunter. Beim Skat ist „der Alte“ die unangefochtene Nr. 1.

Wer mag nur darauf gekommen sein, dem Eichel-Wenzel (Unter oder auch Bube genannt) den Titel „der Alte“ zu verpassen. Das kann doch nur aus der Erfahrung stammen, dass alt sein auch etwas Positives sein muss! Vielleicht hatten die Alten schon immer den größten Einfluss, wer sie zur Seite hatte, war gut dran? Entstammt es vielleicht dem archaischen Familienbild mit dem „Clanführer“ an der Spitze? Ich weiß es nicht und fand auch keine Erklärung.

Dafür stieß ich aber beim Suchen auf einen Satz in der Bibel, der den „Alten“ genau so positiv wertet wie beim Skatspiel (im Sinne der unangefochtenen Nr.1):
 Zuflucht ist bei dem alten Gott. (5. Mose 33,27a)
Gott im Zusammenhang mit „alt“ ist ja nichts Neues. Für die meisten Menschen ist das logisch. Die „Gottverneiner“ verbinden damit „total vorgestrig und überholt“, die Gläubigen ersetzen alt mit ewig. Wenn Gott schon immer da war, dann muss er doch uralt sein. Das Wichtigste beim Altsein ist nicht die Bewertung (gut oder schlecht) – sondern die Beziehung dazu. So mag der Opa technisch nun nicht gerade am Puls der Zeit sein – das interessiert kein Kind – aber die Zeit, die Liebe, die Güte, die er ausstrahlt und verschenkt, daran wird das Kind noch als Erwachsener denken und sich danach sehnen.

In unserem Vers scheint alt eine Verbindung mit „Beständigkeit und Sicherheit“ zu haben. Ein Traditionsbetrieb steht meist für Qualität. Gott ist aber mehr als Tradition, sondern sein ewiges Wesen bietet Verlässlichkeit und ist somit der Zufluchtsort schlechthin. Gott „zu haben“, in seiner Nähe zu sein, ist als „Allein- oder Mitspieler“ des Lebens immer ein Trumpf, der sticht! Gott hat sich in der Heilsgeschichte immer wieder unter uns Menschen ausgeteilt. Jetzt kommt es darauf an, dass du ihn (wie das Skatblatt) aufnimmst, richtig einordnest mit den anderen Karten (= Gegebenheiten) des Lebens, damit das Leben die Leichtigkeit eines Spieles gewinnt. Dafür verbürgt sich „der alte Gott“ persönlich.

Hartmut Günther