Der Ferne Nächste – Globalisierung mit Nächstenliebe

„NÄCHSTENLIEBE“ als christliches Verhalten kombiniert wortwörtlich räumliche Nähe und eine Haltung der Zuwendung (Beziehungsaufnahme). Die Frage: „Wer ist der Nächste?“, beantwortet Jesus im biblischen Gleichnis vom „Barmherzigen Samariter“ (Matth. 10, 25-37) provozierend: Nicht wer mir nahe ist, sondern wem ich nahekommen, mich annähern will. Das erfordert Aktivität – Hin- bzw. Zuwendung, die nicht mir leeren Händen funktioniert. Genau da unterstützt der Förderverein der Männerarbeit finanziell Initiativen, die sich den „fremden Nomaden“ in den Fahrerhäusern europäischer LKW nähern.

Globalisierung

Am Rand unsrer sächsischen Autobahn-Trassen standen diesmal augenscheinlich viel weniger Ukrainer auch etwas weniger Weißrussen. Dafür wächst vor allem die Zahl der Fahrer aus Mittel- und Südostasien. Neben Kirgisen und Usbeken sitzen Inder, Pakistani, Filipino und sogar Nepalesen in den Zugmaschinen osteuropäischer Speditionen (LV, LT, PL, SK). Und ein Fahrer aus Simbabwe repräsentiert den südlichen Nachbar-Kontinent!

Die Weitergabe-Statistik der Trucker-Bibel untermauert diesen Eindruck:
Immer mehr fernere Nationalitäten „stranden“ durchs Feiertag-Fahrverbot mit ihren Lastern auf sächsischen Rastanlagen an unseren Festtagen.

Sprachgewirr

Angesichts der damit verbundenen Kultur- bzw. Religionsunterschiede verblüfft die große Offenheit dieser weitgereisten Männer und ganz weniger Frauen (!), wenn ich sie mit Worten und Gesten fragte, ob sie eine Trucker-Bibel möchten. Türkische Bibeln – kein Problem, Asiaten verstehen gut Englisch – auch lösbar.

Neu gelernt habe ich, dass die – eher jüngeren – Männer aus mittelasiatischen (ehemaligen Sowjet-) Republiken auch Russisch sprechen und so für diese Trucker-Bibelausgabe aufgeschlossen sind.

Wie die Verständigung („halbwegs“) läuft:

Mein orthodoxer Bruder vom Chemnitzer Kraftfahrerkreis mit perfektem Russisch regelt alles mit Fahrern aus (Weiß-)Russland, der Ukraine und ggf. Mittelasien. Auf meiner Solo-Tour jenseits vom Autohof Hainichen schlage ich mich mit Englisch und meinem Rest-Russisch durch. Für alles andere habe ich einen vorbereiteten „Spick-Zettel“. Sein Gebrauch löst meist ein Lächeln aus, manchmal auch ein Stirnrunzeln. Dann lasse ich mein Gegenüber den Zettel selber lesen…

Auf diese zweckmäßige Idee sind auch die Männer in der Oberlausitz gekommen (Video).

Geschenktüten

Eine unerwartete Erfahrung sind die unkalkulierbaren Verkehrsströme:

Die „Schenker“ in der Region Nord-West-Sachsen / Sachsen-Anhalt zogen mit etwa 700 Tüten in ihren „Schlitten“ an A9, A14 und A38. Im Kontrast dazu hat ein Diakon im Meißner Land mit 20 an der A13 Weihnachtstüten nur 13 Fahrzeuge auf drei Rastplätzen zwischen Dresden und nördlicher Landesgrenze Sachsens angetroffen!

Übrigens legen wir den Geschenktüten wichtige Berufsinformationen der Kraftfahrerkreise bei, ebenso eine mehrsprachige Broschüre des Vereins „Docstop e.V.“, damit LKW-Fahrer bei Bedarf schnell medizinische Hilfe bekommen.

Himmelsrichtung

Schon bei meinem Einsatz anlässlich Nikolaus 2025 fiel mir auf, dass auf den Parkplätzen der West-Ost-Fahrbahnen augenscheinlich mehr LKW stehen als in Gegenrichtung. Egal, aus welcher Richtung sie kommen oder wohin die Trucker (und einzelne „Truckerinnen“!) der verschiedenen Nationalitäten fahren, wir wollen ihnen ein bisschen näherkommen.

Und wer sich diesen Fremden naht, trifft auf sichtbare „Gegenliebe“ – auch mal in Form eines leckeren Gegen-Geschenks.

Text:    Thomas Lieberwirth

Fotos:  Silke & Sven Fritzsche, Thomas Lieberwirth, Birgit & Jörg Schmiedel,
            Peter Serve & Team, (Fa.) Offergeld-Team“

Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=DHZdglAMGYQ (Thomas Hultsch, A4 in Ostsachsen)