Alles hat seine Zeit

Die Geschichte des Campingobjektes in Göhren

Eine kleine Recherche von Karsten Schriever

„Alles hat seine Zeit“ Dieser viel benutzte Satz aus dem Predigerbuch trifft auch für das Campingobjekt in Göhren zu. Dieses schlichte Domizil, ein Wohnwagen mit einem Anbau, fast am Strand der Ostsee gelegen, ermöglichte vielen Familien und Ehepaaren durch die Männerarbeit einen erholsamen Urlaub auf der Insel Rügen besonders in den DDR-Jahren, als man nur mit Beziehung an der See einen FDGB-Platz bekam. Von den Nachbarn aus Stralsund wurde der Wohnwagen liebevoll „Pastorhütte“ genannt.

Alles begann im Jahr 1969. Der damalige Männerpfarrer, Werner Reinhold, schrieb an das Landeskirchenamt: Der Brüderrat hat beschlossen, für die Erholung der Neben- und Hauptamtlichen der Männerarbeit an der Ostsee einen Wohnwagen zu kaufen. (Ein Urlaub für kirchliche Mitarbeiter an der Ostsee war zu damaligen Zeit in der DDR nur als Camper möglich.) Aus diesem Grund hatte man den „Nagetusch-Diamant“ für 15200,00 M ausgesucht. „Der Wohnwagen ist vorzüglich ausgestattet und hat die Voraussetzung für behagliches Wohnen zu jeder Jahreszeit.“ So stand es in der Werbung.

Nachweislich geht aus dem Schriftverkehr hervor, dass das LKA sehr schaumgebremst auf dieses besondere Anliegen reagierte und antwortete „dass es an entsprechendem PS-starken Zugfahrzeug fehlt“. Nach einigem Hin- und Her konnte man sich auf einen kleineren Wohnwagen einigen. So wurde der „Nagetusch Brilliant“ erworben. Ab 1971 konnten sich die ersten Urlauber an der See erholen. Zunächst war der Wohnwagen in der Saison auf dem Zeltplatz in Baabe untergebracht und im Winter in einer Scheune untergestellt. Anfang der 80iger Jahre wurde der Wohnwagen auf dem Zeltplatz in Göhren im Zusammenhang mit einem Vorbau fest installiert. Unter der Verantwortung der Männerarbeit, dem Männerpfr. Manfred Wendler, dem Geschäftsführer Manfred Günther und vielen Ehrenamtlichen wurde mit viel Engagement das Objekt komfortabel herausgeputzt. In der Neben- und Hauptsaison bekamen viele Urlauber eine erholsame Zeit geschenkt. Anfang der 90iger Jahre übernahm das Ehepaar Dietrich und Ingrid Streit die organisatorische und technische Verwaltung des Campingobjektes in Göhren. Inzwischen war der alte DDR-Wohnwagen wirklich verbraucht und entsprach nicht mehr dem entsprechenden Standard. 2000 wurde ein neuer gebrauchter Wohnwagen gegen den alten ausgetauscht und 2004 wurde der Antrag für einen Sanitärbereich gestellt, dem auch von der Regenbogen AG Camp Göhren zugestimmt wurde. Dank der vielen Aufbauhelfer hatten nun die Urlauber Dusche und WC direkt im Objekt. Auf Grund dieses Komforts wurde der Wohnwagen mit Anbau nun vom Zeltplatz zu einem Bungalow eingestuft, was sich natürlich auch finanziell bei der Pacht widerspiegelte. Das Winterfestmachen und die Vorbereitung für die Saison wurden für das Ehepaar Streit immer schwerer, deshalb wurde die Leitung des Objektes 2011 an Karsten Schriever übergeben.

Die politische Wende im deutschen System hat viel Positives gebracht, aber es sind auch Ordnungen und bürokratische Regelungen dazu gekommen, die so manches Bisherige beendeten. Manchmal braucht es ein weites Herz, um die Gegebenheiten der Gesetzgeber zu verstehen. In der Nachwendezeit gab es eine große Veränderung auf dem Zeltplatz. Die Kommune übergab den Campingplatz an die „Regenborgen AG“. Damit entstanden nicht nur neue Sanitär- und Zeltplatzanlagen, sondern auch Bebauungspläne, neue Regelungen und ein Schutzstreifen zwischen Zeltplatz und den Dünen. Unser Objekt stand nicht im Bebauungsplan, sondern gerade noch in diesem Schutzstreifen. Und damit begann die Zeit für das Objekt ganz langsam abzulaufen. Noch blieb bis 2015 alles ruhig. Aber danach wurden die Regelungen immer strenger, zum Bps. jährliche Vertragsverlängerung, kein Verkauf, kein neuer Anbau, sondern im Gegenteil: Alles zielte nun auf Rückbau hin. Aber wer möchte gern so einen wertgeschätzten Platz freiwillig verlassen? Und so konnten wir mit gewissem ‚Hinhalten‘ das Objekt noch weitere 10 Jahre betreiben. Die Gästebücher beschreiben, wie der Förderverein der Männerarbeit vielen Urlaubern eine schöne Zeit an der Ostsee anbieten konnte, besonders finanzschwachen Familien. In der Zwischenzeit hatte sich aber auch die Urlaubssituation verändert. Jeder kirchliche Mitarbeiter konnte, wie alle anderen, überall seinen Urlaub verbringen. Die Nachfrage lies mittlerweile langsam nach. 2025 wurden wir nun endgültig von Seiten der Ämter verpflichtet, das Objekt zurück zu bauen. Bei der Mitgliederversammlung im März 2025 wurde mehrheitlich beschlossen, dieser amtlichen Forderung nach zu kommen. Die Trauer des Loslassens schwingt mit, denn viel Fleiß und Engagement steckt in diesem Objekt.

Die Auseinandersetzungen mit der Campingplatzbehörde über Personengebühren und andere Unstimmigkeiten über ständig steigende Pacht- und Betriebskosten (und hier ist „ständig“ nicht übertrieben) erforderten Zeit und Nerven. Ab 2024 übernahmen Claudia und Norbert Fabian die technische Leitung des Objektes und haben noch einmal die Inneneinrichtung verschönert und erneuert. Fast umsonst könnte man jetzt denken. Nein, die letzten Urlauber haben es dankend angenommen!

Ab 2026 ist das Campingobjekt in Göhren Vergangenheit. Es ist eine großartige Geschichte mit diesem von Gott gesegneten Geschenk. Eine Zeitlang wird man sich noch erinnern und dann wird man sagen:

„Alles hat seine Zeit“ meint Karsten Schriever.