Auf Biegen und Brechen

So handeln wir wenn wir unter Zugzwang stehen und wollen darum mit aller Gewalt etwas erreichen. Wer jedoch einen Bogen bauen möchte, ist mit dieser Handlungsweise schlecht beraten. Zum dritten Mal sind wir zu Gast in der Holzwerkstatt der Diakonie in Roßwein. Für 8 Väter und 9 Töchter und Söhne stehen Werkbänke, Werkzeuge und Bogenrohlinge bereit. Bevor die ersten Handgriffe beginnen, werden Arbeitstechniken erklärt und vor allem zu Geduld und Feingefühl gemahnt. Denn jedes „zu viel abarbeiten des Holzes“ führt unweigerlich zum Bruch des Bogens. Dann geht es los mit Ziehhobel, Raspel, Bandschleifer und Sandpapier. Maria, die Werkstattleiterin hatte ein waches Auge und viele hilfreiche Hinweise für die Teilnehmer, die diese Holzarbeiten ja nicht gewohnt sind. Nach und nach wurden die Bogenrohlinge biegsam und konnten nun auf den Tillerbaum gespannt werden. Das ist ein Balken mit vielen Kerben. Mittels einer Hilfssehne wird der Bogen für die Sichtung der Bogenarme gespannt, um zu sehen an welchen Stellen sie noch bearbeitet werden müssen. Am Ende des Tages hatten sich alle Teilnehmer einen zugkräftigen Bogen erarbeitet. Zwei weitere Mitarbeiter hatten den ganzen Tag zu schaffen um die nötigen Bogensehnen zu fertigen, sodass die Bögen komplett und einsatzbereit waren. Vor dem Abendessen war noch etwas Zeit für die ersten Pfeile auf die Schießanlage.

Auf dem Rüstzeitwochenende wurde aber nicht nur gewerkelt, sondern auch über unser Leben und Glauben gesprochen. In der schönen Dorfkirche begannen wir den Tag mit der Morgenandacht. Ein biblischer Impuls soll uns durch den Tag begleiten. Am Samstag z.B. „Das geknickte Rohr wird Gott nicht zerbrechen“. D.h. Gott steht auch in den Brüchen des Lebens zu uns. Der Dank für die Ruhe der Nacht und die Fürbitte des vor uns stehenden Tages bildete die Klammer für diesen Tagesbeginn. Das Bibelgespräch um Samstagabend hatte den Titel „Für jemanden ein Lanze brechen“ – also sich einsetzen für eine Person. Vier Begebenheiten aus dem Leben Jesu wurden in Kleingruppen bedacht: Wem hilft Jesus, wie stehen die Beobachter dazu, wie hat sich die Lage danach verändert. Wichtig war die Schussfrage – was können wir heute davon lernen und umsetzen. Erstaunliche Erkenntnis: Viele Nöte und Beschwernisse sind heute ebenso wie damals, von daher bietet Jesu Handeln uns eine gute Vorlage. Der sonntägliche Gottesdienst beinhaltete verschiedene Aufgaben wo unser Vertrauen zueinander gefragt war, sonst hätten die Aufgaben nicht gelöst werden können. Weil oft Leute sagen „heutzutage kannst du keinen mehr vertrauen“, standen die verschiedenen Stationen unter den Titel „Nichts übers Knie brechen“ – also Nicht zu schnell und unüberlegt zu reagieren und handeln, sondern besser miteinander eine gute Lösung finden. Am Sonntagnachmittag gönnten wir uns noch eine Sehenswürdigkeit gleich in der Nähe unseres Rüstzeitheimes, den Besuch im Bergwerk Alte Hoffnung Erbstollen in Schönborn-Dreiwerden. Das Besondere daran: Es wird mit dem Boot einfahren. Nach der interessanten Führung gab es noch ein herzliches Händeschütteln und dann ging es nach Hause.  

Text: H. Günther     Fotos: Steinert/ Rentsch/ Trinks